The Beginning of an ordinary day. Wie jeden Morgen stehen wir im Foyer herum mit unseren Kaffeebechern. Meike aus dem Art-Buying hat sich ein Piercing machen lassen. Deswegen trägt sie im Dezember noch bauchfrei. Ein Peeling würde ihr besser zu Gesicht stehen, finde ich. Jo prahlt mit seinen Dribblings, die er gestern beim Hallenfußball gezeigt hat. Karsten sagt, die Zukunft des Marketing gehöre dem Merchandising. Ich weiß nicht.
Um zehn steht das erste Meeting an. Gerling plant eine Kampagne zum Thema Outsourcing. Da ist ein freier Kopf gefragt fürs Brainstorming. Das Briefing des Kunden dürfte ohnehin wieder unterirdisch ausfallen und das Timing noch knapper sein als sonst. Dabei sind die Learnings aus dem letzten Job noch allgegenwärtig. Was sie wohl diesmal für Anforderungen ans Wording stellen werden? Ich verdiene mein Geld nämlich mit Copy-Writing. Im bundesweiten Ranking steht die Agentur, für die ich arbeite, ziemlich weit oben.
In der Mittagspause gehe ich mit Kollegen in ein Bistro namens Dining. Der gestrige Abend macht die Runde. Wir waren alle beim Bowling, die Firma hat bezahlt. Socialising nennt sich so was. Ausgerechnet Tom hat gewonnen, unsere Schwulette, die erst letzten Sommer ihr großes Coming-out hatte. Er war früher bei einer Consulting-Firma beschäftigt.
»Das war fucking ungerecht‹, beschwert sich Dirk. »Das Scoring hat nicht richtig funktioniert. Nur deshalb bist du Erster geworden.«
Alle lachen, die Stimmung ist gut. Mobbing gibt es bei uns nicht. ›No Smoking‹ lese ich auf dem Schild an der Wand, stecke die Zigaretten wieder weg und gieße noch etwas Dressing auf meinen Salat.
Nach der Pause rufe ich mein Banking-Programm auf. Ich muss noch die Rechnung fürs letzte Online-Shopping überweisen. Bald steht auch wieder die nächste Steuererklärung an. Gut, dass ich inzwischen vom Ehegatten-Splitting profitiere.
Nach Feierabend bin ich allein zu Haus. Meine Frau ist mal wieder beim Spinning. Oder beim Aqua-Stepping. Ich bringe das immer durcheinander. Ich fühle mich ausgelaugt. Ob das schon die Vorboten des Burning-out-Syndroms sind? Eigentlich wollte ich noch ausgehen. In der Südstadt ist Bar-Hopping angesagt. Die moderne Form des Sightseeing. Ich entscheide mich dennoch fürs Cocooning. Das richtige Feeling für die Situation muss man haben.
Ich blicke auf die Anzeige des CD-Players. ›Now playing: London Calling‹. Netter Song zwar, aber aus dem Stage-Diving-Alter bin ich definitiv raus. Ich wechsle die CD und höre Killing me softly. Herrlich entspannend.
Ich schwelge in Urlaubsplänen. Ich weiß noch nicht, ob wir Ostern zum Snowboarding nach Davos oder zum Carving nach Schladming fahren sollen. Na ja, Hauptsache man kommt nicht aus dem Training. Im Sommer geht’s jedenfalls zum Scuba-Diving auf die Malediven. Letztes Jahr waren wir übrigens auf einer Rafting-Tour in Frankreich. Wir sind schon recht abenteuerlustig. Nur vor Bungee-Jumping habe ich zu allzu großen Respekt.
Man muss ja auch nicht alles mitmachen. Und das hier soll auch keine Never-Ending-Story werden.