Der Sommer bäumt sich noch mal auf
ich lieg im Park und will den Lauf
der Monate, die kommen werden
düster, trist und mit Beschwerden
hauptsächlich seelischer Natur
beeinflussen, damit ich nur
allein nicht bleib und Wärme spür
steht der Herbst erst vor der Tür

Es muss was her und zwar ne sie
die mit mir geht und schläft und wie
Kaminfeuer mir einheizt
indem sie nicht mit Reizen geizt
An ihren Heizkörper gekettet
werd ich erst frei sein und errettet

Das wär die perfekte Kur
grad bei Minustemperatur
Denk’s und seh auf meine Uhr
Wie stelle ich es an denn nur?
Ich blick mich um, die letzte Chance
verliere noch die Contenance
Es geht darum, was aufzureißen
und nicht am Frust sich festzubeißen

Da seh ich sie und kann’s kaum glauben
sie ist total zum Sinne-Rauben
Dort liegt sie, meine Königin
befiehlt mir: du bist völlig hin
und weg natürlich auch
es schmetterlingt in meinem Bauch
Würd’ ihr Anblick mich ernähren
ich würd nie mehr mich verzehren
nach rosa Steaks und feinem Braten
Fleischeslust, zu wohl geraten

Mit ihr wird’s toll sein, nein, vollkommen
Ich bin von Kopf bis Fuß benommen
und dazwischen auch, versteht sich
alles in mir wälzt und dreht sich
sacht vermischt mit leisem Zweifel
ob auch sie denkt, ich sei ihr Eiffel-
-Turm auf G4 – schachmatt ist sie
so viel Gier empfand ich nie
zuvor in diesem schwülen Jahr
Wenn nicht jetzt, wird’s niemals wahr

Es ist der letzte Sommertag
ich rieche schon den Laubbelag
auf allen Wegen, die ich geh
ich spür den Herbst im dicken Zeh
Auch meine Knie sind ganz weich
doch das liegt nur an ihr, ich reich
den Finger ihr sehr bald, nein gleich
die ganze Hand – auf dass es knallt

Ist sie nicht fast zu schön mit ihren Rundungen
zu stolz womöglich für Erkundungen
von Körperpartien jenseits des Hauptes
Ich hoffe dennoch, sie erlaubt es
dass ich mich an sie schmiege, auf ihr liege
Kinder mit ihr kriegen werde
Schön ist’s doch auf dieser Erde
Sie macht die Biege? Mensch, ich werde …

Sie steht auf, zieht sich was über
Warum schaut sie nicht mal rüber?
Steigt einfach auf ihr Holland-Rad
und fährt davon und guter Rat
ist teuer jetzt, fast nicht erschwinglich
Komm mal rüber und ich bring dich
in Sphären, die du nie erfahren
himmelsgleich, wie Engelsscharen

Hat sie nicht gehört – hab’s auch nicht gesagt
Sie hat mich betört – ich nicht mal gefragt
wo sie wohnt, vielmehr thront
wie sie heißt, wovon sie träumt
was sie ohne mich versäumt
wird sie vermutlich nie erfahren
und sich mit nem anderen paaren

Wieder mal war ich zu feige
Meine Hoffnung geht zur Neige
jetzt noch etwas klarzumachen
da hat die Depression gut lachen
Sie war nicht hin, sie ist nur weg – wie schade
meine Traumschublade
hätt’ mich gern hineingelegt
und den Herbst hinweggefegt
wie er es tut mit allem Grün
radikal und ungestüm
Als würd die Hoffnung er nicht mögen
die ich trank aus Sonnentrögen
als wär ihm meine Lust zuwider
als schrie er mir zu: Laufe lieber
Meine Zeit ist angebrochen
du gehörst nach Haus gekrochen

Zum Glück bin ich nicht ungeübt
im Ausreden, was sehr beliebt
um so was besser zu ertragen
stell mir nun ne Menge Fragen:
Hab ich nicht überreagiert
weil die Wollust mich diktiert?
Wär sie denn gut für mich gewesen?
Sie steht vielleicht nur hinterm Tresen
in diversesten Spelunken
wo ich mir manche schön getrunken
auch mal mit nach Haus genommen
und fast nichts dafür bekommen
außer einmal und nie wieder
da singt man keine Liebeslieder

Die sind eh nur Ohrenschmalz
gaukeln vor und niemand schnallt’s
dass die Liebe Illusion ist
alles Schmachtgelaber Hohn ist
dass Hormone uns regieren
ganz genau wie bei den Tieren
mit dem feinen Unterschied:
die singen sich kein Liebeslied
die schwelgen nicht in Phantasie
und fragen nicht, warum und wie

Anderseits ist es ja tröstlich
dass ich denk, also womöglich
bald nicht mehr alleine bin
Ich halte aus, ich bin darin
niemals wirklich schlecht gewesen
Filme schauen, Bücher lesen
lange schlafen, ewig baden
roten Wein und Schokoladen
konsumieren ohne Ende
Winterschlaf – und dann die Wende

Der nächste Sommer kommt bestimmt
mit ihm ein neues Sonnenkind
mit toller, wespengleicher Taille
es wird dann mehr als ne Lappalie
Das sag ich mir gewahr des Blitzes
am Horizont, bald gießt und spritzt es
Engelsscharen fortgejagt
Sinnlichkeiten lang vertagt
Was soll’s, es ist Naturgesetz
es grollt und besser ist es jetzt
dass auch ich aufbrech’ nach Hause
freu mich auf Beziehungspause

Und Depressionen am Kamin
geb ich mich sogar gerne hin