Mein Nebenmann niest mir ins Glas,
die Nebenfrau gießt sich noch was
von dieser braunen Plörre ein,
sie schluckt zuviel und hustet rein.
So wenig Rücksicht würd mich stören,
würd ich heut nicht dazugehören
zum Team der Alkoholverwerter.
Das war es jetzt „Sehr geehrter“
Höflichkeiten? Längst ad acta.
Lang lebe der Helicobacter.
Ich sitze zwischen allen Stühlen,
fühl was in meinem Darm rumwühlen.
Ganz bestimmt hat es Promille,
Wo bleibt nur mein hehrer Wille
mich zu mäßigen und schonen?
Weg ist er, wie bei den Drohnen,
die nur einem Zwecke dienen
in dem Riesenstaat der Bienen,
sich der Arbeit zu ergeben.
Ich ergebe mich dem Leben,
das die Leber zwar belastet,
doch hab ich lang genug gefastet.
So denk ich, wenn ich das noch kann,
als ganzer Kerl, als echter Mann,
als Nachtgestalt, übrig geblieben,
von dem, was Tage aufgerieben.
Reingeschrieben in ein Skript,
das nichts vorschreibt, nicht vergibt.
Doppelt sehen, zweifach genießen,
seltsam verschwommene Blüten sprießen
vor meinen Augen und hinter der Stirn.
„Ätsch!“ ruft ein Gnom in meinem Hirn.
„Bäh!“ hallt es wider aus meinem Mund.
Ich tue jetzt meine Meinung kund
Und wen sie stört, der kann ja gehen.
Es gibt ohnehin nichts mehr zu verstehen.
Der Kellner ruft um vier: „Das war’s
die letzte Runde Bier, gebt Gas!“
So ist es in gewissen Bars,
jeder hat so seinen Spaß
von ganz seltsamer Natur.
Hemmungslose Selbsttortur
eigentlich, doch irgendwie,
zwingt es mich wie wohl noch nie
ins Exil mit sonderbaren
Dauerbrenner-Exemplaren
Cargo-, Röhren-, Lederhosen,
abgehalftert, doch Almosen
will hier keiner – Kippe einer?
Infarkte sind in Vorbereitung,
Zirrhosen per Gebrauchsanleitung,
spielend einfach zu verstehen:
Man muss nur schlucken, gerade stehen
geht nicht mehr und gehen gar nicht.
Alles aus dem Gleichgewicht
Auch um fünf ist noch nicht Ende,
harte Gläser in die Hände,
harte Sachen in den Magen,
kann heut Unmengen vertragen.
Schlecht ist mir schon lang nicht mehr,
ich zog den Gnom aus dem Verkehr.
Am frühen Morgen Jägermeister
und Konsorten, Mensch wie heißt der
Mensch da drüben an der Theke,
Holger, Stefan oder Käthe?
Hab ihn mal getroffen, glaub ich.
Könnt ein Freund sein oder doch nicht
mehr als alle anderen hier:
Gefallene, Gesocks, Getier
Ist mir egal, ich will jetzt sein,
trink Wein auf Bier, dann Bier auf Wein
und ein Schuss zum guten Schluss
in Richtung Traumwelt, Hochgenuss
und Tiefschlag gleichermaßen.
Ein Toast auf die, die mich vergaßen:
Leckt mich doch, ihr könnt mich mal.
ich mocht’ euch nie, ihr seid ne Qual.
Ihr wolltet nur und konntet nie,
Arroganz und Apathie,
Lethargie und Ignoranz,
auch ich vergesse euch jetzt ganz.
Habt ihr euch selber zuzuschreiben.
Ich bin gekommen, um zu bleiben.
Hinten hört man Typen motzen,
draußen sieht man einen kotzen.
Bleibt mir erspart, so hoffe ich,
ein paar Mal auf die Straße rotzen,
schöne Schleimspur, kein Gesicht,
das sich nicht nach mir umdreht,
einmal hin- und dreimal wegsieht,
blöde Kommentare lässt:
Am besten wäre wohl die Pest
am Hals von solchen Kreaturen,
die nur saufen, kotzen, huren,
denen Nacht im Magen liegt.
Ist das Leben, was es wiegt?
Wiegt es schwer oder befind ich
mich im Freiflug – unergründlich
ist das Schweben über Dingen.
Woher hab ich diese Schwingen,
die mich fort und weiter tragen?
Stell dir nicht so blöde Fragen.
Hast zu tief ins Glas geschaut
und einen schiefen Turm erbaut,
stolperst prompt beim nächsten Schritt,
hältst mit dir selbst schon nicht mehr mit.
Siehst dich in der Gosse liegen,
ein Häufchen Elend, auf das Fliegen
fliegen, aber keiner,
von denen du auch warst mal einer.
Irgendwie nach Haus gekommen,
gekrochen oder mitgenommen
bin ich sowieso,
hock mich erstmal lang aufs Klo.
Dünnschiss kein Problem, nur flüssig,
mein Körper dessen überdrüssig,
was ich ihm alles zugemutet:
Kanäle voll und überflutet.
Spät, nein früh, in Federn schlummern,
aufgewacht dann wieder Wummern
in den Trümmern meines Kopfes.
„Sei ein Kerl und pack’ am Schopf es“,
sagt ne Trümmerfrau, und: „Baue
wieder auf, sonst gibt es Haue.
Ich müh mich doch nicht ab für dich,
wo du nur rumhängst, faul, und mich
ins Leere laufen lässt.
Am besten wäre wohl die Pest …“
Ja, ich weiß, so wird es gehen,
ist schon oft genug geschehen.
Hab mich noch immer hoch gerappelt,
wenn dabei auch rumgezappelt
wie ne Zicke auf Entzug.
Für diese Woche ist’s genug
mit Glasbeschau und Inhalieren,
ich habe ja was zu verlieren.
Weder Frau noch Kinder zwar,
doch Jahr für Jahr für Jahr für Jahr,
am Lebensende abgezogen
dank Bieren, Schnäpsen, Kippen, Drogen.
Schlimm so was und wieder nicht,
das Leben ist nur ein Gedicht
aus Versen, und falls äußerst knapp:
Gehalt hängt nicht von Länge ab.