60 Tage lebt ein Schwein – im Schnitt
dann kommt es auch schon rein – ins Kühlregal
fein zerlegt in Einzelteile: Schnitzel, Filet, Kottelet, Keule
auch mal durch den Wolf gedreht nach dem Bolzenschussgerät

Das Schwein an sich, das ist ja dreckig – für manche sogar widerwärtig
Es suhlt sich gern im eigenen Kot – da ist es besser, wenn es tot
und Nahrung erst geworden ist – so ist der Plan, so lang es frisst
als Räucherwurst hält‘s sich auch länger … als 60 Tage, man vergisst

sehr gerne, dass das auf dem Brot – mal ein Lebewesen war
jetzt nur noch eine rosa Masse – was soll’s, die schmeckt ja wunderbar
der Mensch ist eben Allesfresser – das Schwein ja auch, doch hat kein Messer
mit dem es forsch zu Werke ginge – so steckt es eben in der Schlinge

die der Mensch ihm angelegt – von Geburt auf Tod geprägt
Schweinereien mag man eben – und kostet es auch viele Leben
es gibt Schlimmeres auf der Welt – Wale fangen, Hirsche jagen
Robben töten, Pelze tragen – Tierliebe geht halt durch den Magen

60 Tage sind kein Leben – nicht mal für ein armes Schwein
eingepfercht in Mastbetrieben, drückt man ihm Hormone rein
auf dass es wächst, bis es fast platzt – und das auf allerengstem Raum
alleinig zum Verzehr bestimmt – ob es das ahnt … wohl kaum

Geboren, gemästet, geschlachtet – ein Leben als wertlos erachtet
es sei denn, es geht um Geschmäcker – gepökelt, geräuchert und lecker
kommt das Tier dann auf den Tisch – man sieht ihm nicht mehr ins Gesicht
man blickt nur auf ein Fasergeflecht – Entfremdung ist dem Menschen recht

Und dann, mein Gott: ne harte Sehne – das ist nicht gut für schöne Zähne
da hat der Schlachter wohl geschlampt – und beim Entbeinen sich bekannt:
ja so ein Schwein, das macht nur Arbeit – acht Stück die Stunde kosten Zeit
doch so ist das beim Akkord – da fährt man fort und fort und fort

beinahe wie ne gesengte Sau – die Säge gleitet durch den Bau
aus Knochen, die schnell brechen – und niemand wird sich rächen
wie in der Farm der Tiere – Herz, Leber, Lunge, Niere
alles findet Verwendung – veredelte Verendung

Schwein gehabt, sollte man denken – beim Kauen, Schlucken und Verdauen
keine Pest und Salmonellen – man wird sich also wieder trauen
Würste aus dem Darm zu pellen – obwohl: man weiß doch sehr genau
wenn’s um die Wurst geht, zeigt der Mensch – ne Haltung unter aller Sau