Marc Singer geht es gut. Zu gut vielleicht. Er hat einen guten Job, eine schöne Wohnung, regelmäßigen Sex, eine Internet-Flatrate und eine große Duschgelsammlung. Er genießt die Ungezwungenheit seines Singledaseins mehr, als dass er sich nach einer festen Partnerschaft sehnt. Mit Anfang dreißig aber überkommt ihn plötzlich die Erkenntnis, dass das augenscheinlich leichte Leben immer schwerer zu ertragen ist. Ihm wird bewusst, dass er seine Träume nie bis in letzter Konsequenz verfolgt und Liebe nie bis in letzter Konsequenz erfahren hat. Er verschließt sich jedoch zunächst der Tatsache, dass nur er selbst daran etwas ändern kann.

Ausschnittweise lässt Marc Singer sein Leben gedanklich an sich vorbeiziehen. Da war die von vorneherein zum Scheitern verurteilte Beziehung zu Natalie. Da war die selbstzerstörerische Affäre mit Isabelle. Da ist das unerwartete Wiedersehen mit Maki, mit der ihn eine schicksalhaft anmutende Freundschaft verbindet. Da ist der plötzliche Tod des verhassten Vaters, der Erinnerungen an eine angstvolle Kindheit weckt und zur ersten Begegnung mit seinem jugendlichen Halbbruder führt. Und da ist der längst verlorene Traum, mit seiner Rockband Erfolge feiern zu können. Dies alles führt Marc Singer episodenhaft die Unbeständigkeit und Unverbindlichkeit der eigenen Entwicklung vor Augen.

Auf der Suche nach Veränderung flüchtet Marc sich ins Internet, wo er Liane kennen lernt und eine Affäre mit ihr beginnt. Doch je mehr sie sich zu ihm hingezogen fühlt, desto heftiger stößt er sie zurück. Stattdessen verliebt er sich in die rätselhafte Lydia, obwohl – oder gerade weil – sie ein dunkles Geheimnis vor ihm verbirgt. Als Lydia eines Tages fortgeht, um sich im Ausland ein neues Leben aufzubauen, verfällt Marc in Selbstmitleid. Erst Maki schafft es mit Zuwendung und Geduld, ihn aus seinem emotionalem Tief zu befreien. Daraufhin unternimmt Marc eine kurze, bizarre Reise ans Meer. In Belgien gerät er an eine SM-Clique, die ihn über die eigene Sexualität nachdenken lässt. In den Niederlanden macht er die Bekanntschaft eines sonderbaren Fotografen, der eine phantastische Entdeckung für ihn bereithält. Nach seiner Rückkehr folgt ein letztes, verstörendes Treffen mit Isabelle – der Auslöser dafür, dass Marc sein Leben in eine neue Bahnen lenkt und die Beziehung zu Maki am Ende in einem anderen Licht erscheint.

Kreisverkehr ist abenteuerlicher Selbstfindungstrip und entlarvender Seelenstriptease zugleich, beschreibt das Hin-und-her-gerissen-Sein zwischen unbeholfener Sinnsuche und kurzzeitigem Lustgewinn. Authentisch und selbstironisch berichtet Ich-Erzähler Marc Singer in zahlreichen Rückblenden über die Tücken des Erwachsenwerdens, das Scheitern von Beziehungen und das Sich-Einrichten in der allgegenwärtigen Spaß- und Konsumgesellschaft. In seinem Erleben spiegeln sich Desillusionierung, Selbstbetrug und eine fatalistische Grundhaltung wieder. In seinem Denken verdeutlicht er dem Leser seine Haltung gegenüber dem Leben, der Zeit und dem Tod genauso wie seine Meinung zu Single-Börsen, Sumo-Ringen, Punk-Rock oder der Porno-Industrie. Der Titel Kreisverkehr symbolisiert einerseits die Ziellosigkeit des Protagonisten, andererseits die aufgrund seiner Bindungsangst übersteigerte Bedeutung der Sexualität in seinem Leben.


Basisinfos zum Roman:

Titel: Kreisverkehr
Genre: Entwicklungsroman
Gesamtumfang: ca. 300 Seiten (30 Zeilen à 60 Zeichen)